
Ich habe mich gefreut! Die Landwirtinnen werden bedacht und geehrt in diesem Jahr 2026.
Ich habe zurückgedacht und mir ist aufgefallen, dass die Frauen in Ostdeutschland tatsächlich fast alle als junge Frauen mit Kindern und sehr großer Tatkraft meist bei Null angefangen haben. Es gab keine zu übergebenden Höfe. Man fand heruntergekommene Hofstellen vor, schrottige Maschinen, einseitig bewirtschaftete Äcker und noch kein Bio-Bewusstsein bei den Menschen, so wie es heute ist. Ganz ehrlich, wir wurden belächelt, als Bio-Spinner mit der Vorhersage: „Das wird doch sowieso nichts!“


Ja, wir Frauen haben großes Durchhaltevermögen bewiesen und die Fähigkeit das Unmögliche zu versuchen. Es entstanden schnell Familien und neue Aufgaben für die Betriebsleiterinnen. Doch, das Schöne an unserem Beruf: die Kinder konnten oft mit dabei sein. So kamen etliche Treckerstunden zusammen, was die Zwerge sehr cool fanden. In der Gärtnerei befüllten sie die Aussaatschalen, pflanzten die Jungpflanzen mit ein und die Bewässerung ist auch immer ein Highlight gewesen.
Die Freizeit war rar bemessen, es gab ja immer etwas zu tun auf den Höfen. Doch man lernte sie sehr zu schätzen. In meinem Fall war auch Urlaub vorgesehen, denn nach der beengenden Ostvergangenheit wollte ich so gerne mal in für mich vorher verbotene Länder. Da danke ich heute noch unseren stets verständnisvollen Mitarbeitenden. Denn jedes Jahr fuhr in den Sommerferien ein mit allem Nötigen (auch vielen Lebensmitteln) bepackter, schrottiger Urlaubsbus gen Frankreich, Schweden, Norwegen, Spanien oder Irland. So richtig tolle Familienschätze waren das und meine persönlichen Kraftquellen für das nächste arbeitsintensive Jahr!



Elternzeit kannte ich nicht, die hatte ich ja immer und „nebenbei“ eine echt spannende Herausforderung: Wie machen wir aus einen Abrisshof einen wirtschaftlichen Ökokistenbetrieb mit Gemüse- und Ackerbau.
Anfangs zu zweit, ab 2018 allein in der Führung und jetzt mit meinen zwei tatkräftigen Söhnen an meiner Seite ist uns sehr vieles richtig gut gelungen. Es gab einige Tiefs und viele Hochs in der ganzen Zeit. Meine Verbindung zu diesem Stück Land ist sehr groß. Mir gibt ein Spaziergang über die Felder bei Sonnenuntergang, die Beobachtung der aufgehenden Saat, an Blumen, Schmetterlingen und an reicher Ernte viel Kraft.

Unser Team ist mir immer wieder eine Freude, denn hier arbeiten Herzensmenschen mit all ihrem Sein. Ja, wir machen auch Fehler, doch wir lernen daraus. Wir bilden uns in den verschiedensten Bereichen weiter und freuen uns an dem Neuen. So entstand bei uns durch die Rekonstruierung unserer Scheune ein neuer Packbereich der Ökokisten mit moderner Beladung, Kühl- und Energietechnik. So etwas machte und macht mir richtig Spaß!
Ich bin manchmal geschockt über die äußeren Umstände und doch bemerke ich immer wieder die guten Geister um uns herum, die sich durch glückliche Fügungen und kleine Wunder zeigen. Also bleibt mir nur ein großes Dankeschön, an alle, die dieses Projekt: Regionale Biolandwirtschaft in Uhlsdorf unterstützten, die Vorarbeit leisteten und alle die hier jemals Hand angelegt haben. Und natürlich in diesem besonderen Jahr gilt der Dank den Frauen hier auf unserem Hof. Sie sind meist langjährig an meiner Seite und erfreuen mich durch ihre weiblichen Sichtweisen.
Ich bin stolz auf diesen Hof, dankbar und optimistisch für die Zukunft, auch wenn es viele Herausforderungen gibt. Und ich bin stolz auf mich, dass ich das alles gewagt und mir zugetraut habe. Denn es war sehr viel Arbeit und oft sehr wenig Geld.

Jetzt darf es etwas ruhiger werden und ich kann meine Erfahrungen und Anregungen beim Schreiben solcher Texte weitergeben. Ich bin das verbindende Herz, Organisatorin, Stimme nach Außen, ich bin mit zuständig für Weiterentwicklung und Effektivierung und für die kleinen Dinge der Schönheit … und Omi von 5 Enkelchen!
Das sind wir: 1992-2026 Guidohof Demeterbetrieb mit 36 Mitarbeitenden, 65 Hektar: Gemüsebau mit Anzucht und Gewächshausanbau, Landwirtschaft mit Getreide, Soja, Lein; ca 1000 Ökokisten pro Woche, eine Bäckerei und ein Hofladen.
